Augenbrauen in der Religion: Was Islam, Judentum, Sikhismus und Buddhismus dazu sagen
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Kurz gesagt
Am ausführlichsten befasst sich der Islam mit Augenbrauen: Ein Hadith verurteilt das Namas, das Auszupfen der Brauen, doch Gelehrte legen Reichweite und Grund unterschiedlich aus. Einige verbieten es streng, andere erlauben Formen oder Trimmen. Im Judentum, Sikhismus und Buddhismus geht es meist um Regeln zu Körperhaar allgemein, weniger um die Braue. Für eine verbindliche Antwort frag eine Autorität deiner eigenen Gemeinschaft.
Diese Seite ist keine religiöse Auskunft. Sie will dir zeigen, wo die Fragen herkommen und wie weit die Auffassungen auseinandergehen. Innerhalb jeder Religion gibt es Strömungen, Schulen und persönliche Gewissensentscheidungen. Eine Außenansicht kann das nur grob abbilden.
Augenbrauen im Islam: Was das Namas-Verbot bedeutet
An-Namas bezeichnet im Arabischen das Entfernen von Gesichtshaar, in der Diskussion meist das Zupfen der Brauen. Die Grundlage ist ein Hadith, überliefert von Ibn Mas'ud in den Sammlungen von Bukhari und Muslim. Darin werden unter anderem Frauen verflucht, die anderen die Brauen zupfen, und Frauen, die sich zupfen lassen.
Der Satz ist klar, die Auslegung nicht. Es wird unter anderem darüber gestritten, was genau gemeint ist, für wen das gilt und aus welchem Grund.
| Frage | Strengere Sicht | Großzügigere Sicht |
|---|---|---|
| Allgemeines Zupfen | Verboten, teils als große Sünde bezeichnet | Unter Bedingungen erlaubt |
| Verheiratete Frau, für ihren Mann | Bleibt verboten | Dar Al-Ifta (Ägypten) und Darul Iftaa Jordanien nennen dies als Mehrheitsmeinung für erlaubt, mit Zustimmung des Mannes |
| Trimmen oder Formen | Teils abgelehnt | Laut Dar Al-Ifta erlaubt, weil keine vollständige Entfernung |
| Haare zwischen den Brauen | Oft erlaubt, weil nicht Teil der Braue | Erlaubt |
| Täuschung | Grund des Verbots | Fällt der Täuschungsgrund weg, entfällt nach dieser Sicht das Verbot |
Die Quellen zeigen auch, wie unterschiedlich die Begründungen sind. Eine Fatwa von Dar Al-Ifta stellt die vollständige Entfernung als Veränderung der Schöpfung in den Mittelpunkt und sieht heutiges Formen als unbedenklich an. Eine schafiitische Analyse knüpft das Verbot an Täuschung, etwa gegenüber einem künftigen Ehemann. Darul Iftaa Jordanien bezieht den Fluch auf Schönheitspflege, die sich an fremde Männer richtet.
Dem stehen strengere Stimmen gegenüber, etwa bei Islam Q&A, das den Gelehrten Ibn Uthaymin mit der Einstufung als große Sünde zitiert. Eine Mehrheitsmeinung für alle Schulen lässt sich aus diesen Quellen nicht ableiten.
Praktisch bedeutet das: Wenn dir das Thema wichtig ist, sprich mit einem Gelehrten oder einer Gelehrten deiner Rechtsschule. Beachte dabei auch, dass die Art der Methode für die Beurteilung nicht immer gleich ist. Manche Quellen unterscheiden zwischen Zupfen, Rasieren, Trimmen und Bleichen, und zwar teils anders, als man erwartet: Imam Ahmad soll das Zupfen missbilligt, das Rasieren aber erlaubt haben.
Kein Urteil über andere
Diese Diskussion taugt nicht als Vorwurf gegen Menschen, die sich anders entscheiden. Sie ist eine Frage des eigenen Gewissens.
Judentum
Die jüdische Rechtsdiskussion betrifft vor allem Männer und vor allem andere Körperteile. Bekannt ist das Verbot der Rasur mit dem Messer aus Levitikus 19,27. Für das Entfernen von Körperhaar bei Männern verweist der Schulchan Aruch auf Deuteronomium 22,5, das Verbot, sich wie das andere Geschlecht zu kleiden: Männer sollen nicht dort Haare entfernen, wo es typischerweise Frauen tun. Bei aschkenasischen und sefardischen Männern haben sich unterschiedliche Bräuche entwickelt.
Zu Augenbrauen selbst fanden wir in unseren Quellen keine ausdrückliche Regelung. Ob Männer ihre Brauen zupfen, ist deshalb eher Gegenstand einzelner Rabbiner-Entscheidungen. Auch zum Zupfen am Schabbat und an Feiertagen, wo Tätigkeiten am Körper eingeschränkt sein können, solltest du deine Gemeinde fragen. Das gilt auch für Frauen, für die wir keine allgemeine Regel belegen können.
Sikhismus
Für viele Sikhs gehört Kesh, das ungeschnittene Haar, zur religiösen Praxis. Die Definition bezieht sich meist auf Kopfhaar, Bart und Schnurrbart. Wie Augenbrauen zu behandeln sind, sagt diese Definition nicht ausdrücklich. Innerhalb der Gemeinschaft kann die Sicht auf Zupfen oder Formen unterschiedlich sein. Wer es genau wissen will, wendet sich an die eigene Gurdwara. Den Originaltext der Sikh Rehat Maryada konnten wir für diese Frage nicht im Wortlaut prüfen.
Buddhismus
Bei der Ordination werden Kopf und Gesicht geschoren. Mönche in Theravada-Traditionen rasieren sich alle zwei Monate oder wenn das Haar zwei Fingerbreit lang ist. Häufig liest man, dass Mönche in Thailand zusätzlich die Augenbrauen abrasieren. Eine belastbare Quelle konnten wir dazu nicht prüfen, die Angabe bleibt also offen.
Trauer und Reinheit
Haare spielen in vielen religiösen Traditionen eine symbolische Rolle, ohne dass die Braue direkt gemeint wäre. In Teilen Indiens scheren sich hinduistische Männer nach dem Tod eines nahen Angehörigen den Kopf. Herodot berichtete aus Ägypten von einer Brauenrasur nach dem Tod der Katze und von Priestern, die ihren Körper aus Reinheitsgründen schoren. Andere kulturelle Bedeutungen zeigen die Brauen-Kulturen der Welt, Volksglauben ohne religiösen Hintergrund der Aberglaube zu Brauen.
Wenn du dich entscheiden musst
Falls du aus religiösen Gründen zurückhaltend bist, gibt es praktisch einige Optionen, die viele als unproblematischer empfinden. Ob das für dich gilt, musst du selbst klären.
- Pflege ohne Entfernen: Bürsten, Gel und Seife formen, ohne ein einziges Haar zu entfernen. Siehe Pflegeroutine.
- Schminken: Natürlich schminken kann Lücken füllen. Ob das für rituelle Waschungen eine Rolle spielt, ist eine eigene Frage.
- Fädeln: Auch das Fädeln entfernt Haare. Geh deshalb nicht davon aus, dass es anders bewertet wird, nur weil keine Pinzette zum Einsatz kommt.
Häufige Fragen
Ist Augenbrauen zupfen im Islam haram?
Das ist umstritten. Ein Hadith verurteilt das Zupfen, doch Gelehrte legen ihn unterschiedlich aus: Einige verbieten es generell, andere erlauben es unter Bedingungen oder erlauben zumindest das Trimmen.
Darf eine muslimische Frau ihre Augenbrauen formen?
Laut Dar Al-Ifta in Ägypten ist Trimmen und Formen erlaubt, solange die Braue nicht vollständig entfernt wird. Strengere Quellen sehen das anders, frag daher jemanden aus deiner Rechtsschule.
Dürfen muslimische Männer ihre Augenbrauen zupfen?
Der Hadith spricht von Frauen, das schließt die Frage aber nicht ab. Eine geprüfte, allgemein gültige Aussage für Männer liegt uns nicht vor, frag daher jemanden aus deiner Rechtsschule.
Dürfen Sikhs ihre Augenbrauen zupfen?
Ungeschnittenes Haar gehört zur Praxis vieler Sikhs. Eine ausdrückliche Aussage zu Brauen konnten wir nicht prüfen. Die Antwort kann je nach Gemeinschaft unterschiedlich ausfallen.
Ist Microblading im Islam erlaubt?
Der Hadith nennt auch das Tätowieren, deshalb liegt die Frage nahe. Eine geprüfte Stellungnahme speziell zu Microblading liegt uns nicht vor. Kläre das vor einem Termin mit einer Autorität deiner Rechtsschule.