Augenbrauen in den Kulturen der Welt: Von Kajal bis Hikimayu
Inhalt dieser Seite
- Brauen-Kulturen weltweit im Überblick
- Ägypten: Kohl und Trauer
- Griechenland und Rom: Die fast verbundene Linie
- Iran: Kräftige Brauen und Kajal
- Zentralasien und Arabische Halbinsel: Die verbundene Linie heute
- China: Bemalte Brauen in wechselnden Moden
- Japan: Hikimayu
- Europa: Die kahle Stirn
- Religion und Brauchtum
- Was das für dich bedeutet
- Häufige Fragen
Kurz gesagt
Augenbrauen wurden weltweit sehr unterschiedlich bewertet. Im Qajaren-Iran galten kräftige, fast verbundene Brauen als schön, in Japan zupften Frauen sie ab und malten sie auf die Stirn, in Ägypten verlängerte Kohl die Linie, und im Tang-China trugen Hofdamen blaugrüne Brauen. Die Kulturgeschichte zeigt: Ein weltweit gültiges Brauenideal gibt es nicht.
Was eine schöne Braue ist, entscheidet fast immer die Kultur und nicht die Biologie. Das klingt abstrakt, hat aber Folgen: Wenn dir jemand sagt, deine Brauen seien „falsch“, spricht daraus nur ein bestimmter Ort und eine bestimmte Zeit.
Brauen-Kulturen weltweit im Überblick
| Region und Zeit | Ideal | Mittel | Sicherheit der Angabe |
|---|---|---|---|
| Altes Ägypten | Dunkel, verlängert | Kohl, Bleiglanz, Malachit | Hoch für Kohl, mittel für Details |
| Griechenland, Antike | Dunkel, sich fast berührend | Antimon, notfalls Ruß | Mittel, aus literarischen Quellen |
| China, Tang-Zeit | Bemalt, teils blaugrün | Qingdai-Farbe | Mittel |
| Japan, Heian-Zeit | Abgezupft, hoch aufgemalt | Aufgemalte Farbe | Hoch |
| Iran, Qajaren | Kräftig, fast verbunden | Natürlich, betont | Mittel |
| Tadschikistan, heute | Verbundene Linie | Pflanze Usma, Kajalstift | Mittel, aus Presseberichten |
| Europa, Elisabethanisch | Hohe, kahle Stirn | Entfernen oder Bleichen | Mittel |
Ägypten: Kohl und Trauer
Kohl gehört zu den ältesten belegten Kosmetika. Ägypter aller Schichten nutzten ihn seit etwa 3100 vor Christus, unabhängig vom Geschlecht, ursprünglich auch als Schutz der Augen vor Sonne und Beschwerden. Herodot berichtet außerdem, dass ein Haushalt sich beim Tod einer Katze die Brauen abrasierte. Die Details und die Zweifel daran stehen bei den Augenbrauen im alten Ägypten.
Griechenland und Rom: Die fast verbundene Linie
Aus der Antike sind vor allem literarische Bilder erhalten. Petronius beschreibt eine schöne Frau, deren Brauen sich fast berühren, von der Geliebten des Dichters Anakreon heißt es, ihre Brauen seien weder verbunden noch getrennt. Die Enzyklopädie von Victoria Sherrow nennt Antimon als übliches Mittel zum Dunkeln, im Eilfall Ruß. Bei Ovid und Petronius tauchen sogar aufklebbare Brauen auf, was möglicherweise als Witz gemeint war.
Die Popvorstellung einer griechischen Monobrauen-Mode greift zu weit. Bustle fasst es treffend zusammen: Das Ideal war eher ein weicher Übergang als eine echte durchgehende Braue.
Iran: Kräftige Brauen und Kajal
Im Iran der Qajaren (1785 bis 1925) näherten sich die Schönheitsideale für Männer und Frauen zunächst einander an. Die Historikerin Afsaneh Najmabadi beschreibt, dass junge bartlose Männer und Frauen mit sehr kräftigen Brauen und leichtem Bartschatten als schön galten. Auf Qajaren-Bildern sieht man das deutlich.
Die Geschichte wurde im Netz stark verzerrt. Viral verbreitete „Prinzessin Qajar“-Beiträge enthalten oft erfundene Details. Ihnen solltest du nicht trauen.
Bekannt ist aus Iran auch das Fädeln: Bustle berichtet, das Entfernen von Brauen- und Gesichtshaaren habe für iranische Frauen das Erwachsenwerden markiert, einen weiteren Schritt bedeutete die Verlobung. Wer die Technik kennenlernen will, findet sie bei Augenbrauen fädeln. Kohlbehälter sind aus dem Westen Irans schon aus der Zeit um 800 bis 500 vor Christus überliefert. Kajal gehört also tief in die Region, wobei er vor allem am Auge und weniger an der Braue eingesetzt wurde.
Kajal und Blei
Traditioneller Kohl oder Surma kann Bleiglanz enthalten. Mit bleihaltigem Kohl wurden erhöhte Bleiwerte im Blut in Verbindung gebracht, und in den USA ist der Verkauf nicht erlaubt. Die Studienlage ist nicht einheitlich, kaufe aber trotzdem nur geprüfte Kosmetik aus dem regulären Handel.
Zentralasien und Arabische Halbinsel: Die verbundene Linie heute
In Tadschikistan gilt die verbundene Braue bis heute als attraktiv. Berichten zufolge trocknen manche Frauen die Pflanze Usma und tragen sie auf, um die Linie nachzuzeichnen, während andere in der Stadt zu Kohl oder Kajal greifen. Im Oman beschreiben Quellen, dass Belutschinnen sich teils eine schwarze Verbindungslinie zwischen die Brauen zeichnen. Eine in Wikipedia zitierte Arbeit gibt für die omanische Bevölkerung eine Häufigkeit der Synophrys von 11,87 Prozent an.
Das gibt dem deutschen Blick ein Gegengewicht: Was hierzulande oft entfernt wird, malen sich andere auf. Die Biologie dahinter erklärt die Monobraue, den alten Volksglauben der Aberglaube zu Brauen.
China: Bemalte Brauen in wechselnden Moden
China hat eine lange Tradition aufgemalter Brauen. Die Forschung von Cho Kyo, zitiert bei Bustle, beschreibt einen Wechsel zwischen langen schmalen und kurzen breiten Brauen je nach Dynastie. In der Tang-Zeit trugen Hofdamen blaugrüne Brauen aus der teuren Farbe Qingdai. Die Epoche zeigt auch: Abrasieren für einen vollständigen Make-up-Auftrag ist keine moderne Idee.
Japan: Hikimayu
Ab dem 8. Jahrhundert verbreitete sich am japanischen Hof das Abzupfen und Neuzeichnen, in der Heian-Zeit wanderten die Brauen als Flecken hoch auf die Stirn. Die ganze Geschichte steht bei Hikimayu.
Europa: Die kahle Stirn
Auch Europa hat seine Phase der „brauenlosen“ Mode. Im Mittelalter und im elisabethanischen England war eine hohe, kahle Stirn das Ideal, und Brauen wurden entfernt oder gebleicht. Ausführlicher geht darauf weggerasierte Brauen ein. Moderne Trends verfolgt die Geschichte der Brauenmode.
Religion und Brauchtum
In einigen Gemeinschaften spielen religiöse Regeln eine Rolle, etwa bei der Frage, ob Zupfen erlaubt ist. Das ist ein eigenes Thema: Augenbrauen in den Religionen.
Was das für dich bedeutet
Die Übersicht ist kein Stilratgeber, aber sie hilft bei zwei Dingen. Erstens relativiert sie Normen: Dichte Brauen, verbundene Brauen, schmale Brauen, all das galt irgendwo als ideal. Zweitens lohnt die Frage, wessen Ideal du gerade verfolgst. Wenn du unsicher bist, zeigt der Brauenform-Finder, was zu deinem Gesicht passt, ganz ohne Kulturvorgabe.
Häufige Fragen
Wo gelten zusammengewachsene Augenbrauen als schön?
Für Tadschikistan beschreiben Berichte das bis heute. Historisch galten kräftige, fast verbundene Brauen auch im Iran der Qajaren als attraktiv.
Haben die alten Griechen Monobrauen getragen?
Die Quellen sprechen eher für einen weichen Übergang als für eine echte Monobraue. Antike Texte beschreiben Brauen, die sich fast berühren.
Warum hatten Japanerinnen früher keine Augenbrauen?
Sie zupften sie ab und malten neue, hoch auf der Stirn. Diese Mode hieß Hikimayu und war lange Zeit ein Zeichen von Stand und Reife.
Woher kommt das Augenbrauenfädeln?
Eine klar belegte Ursprungsregion konnten wir nicht bestimmen. Für Iran beschreibt Bustle das Fädeln als Tradition, die Herkunft insgesamt bleibt aber offen.