Augenbrauenpiercing richtig pflegen: die Routine Schritt für Schritt
Inhalt dieser Seite
Kurz gesagt
Für die Pflege eines Augenbrauenpiercings reichen meist saubere Hände, sterile 0,9-prozentige Kochsalzlösung und Geduld. Zweimal täglich sprühen, sanft trocken tupfen, Krusten nicht abkratzen und den Schmuck sonst in Ruhe lassen. Alkohol, Wasserstoffperoxid, Jod und Salben reizen eher, als dass sie helfen.
Bei der Nachsorge scheitern Piercings selten daran, dass zu wenig getan wird. Zu viel Reinigung, scharfe Mittel und ständiges Anfassen sind häufigere Probleme. Die folgende Routine orientiert sich an den Empfehlungen des Berufsverbands APP und der NHS.
Die Pflege Schritt für Schritt
- Hände waschen. Mit Wasser und Seife, gründlich, bevor du die Stelle berührst.
- Sprühen. Sterile Kochsalzlösung auf beide Löcher geben. Sie darf ein paar Sekunden einwirken.
- Krusten aufweichen. Lose Krusten lösen sich mit etwas Lösung oder warmem Wasser. Fest sitzende bleiben dran. Wenn du sie mechanisch entfernen willst, nimm ein frisches Wattestäbchen und arbeite ohne Druck.
- Trocknen. Sanft mit Einmal-Gaze oder Küchenpapier tupfen. Kein Stoffhandtuch, es hält Keime und bleibt an Kugeln hängen.
- Fertig. Keine Salbe, keine Creme, nicht nachdrehen.
Das machst du zweimal täglich, morgens und abends. Nach dem Duschen genügt oft die Reinigung, die du ohnehin durchführst. Mehr ist nicht besser.
Drehen oder nicht?
Hier widersprechen sich die Quellen. Die NHS sagt, man könne den Schmuck beim Reinigen vorsichtig bewegen, wenn die Stelle feucht ist. Der Berufsverband APP rät vom Drehen ab. Da Drehen fürs Heilen nicht nötig ist und zusätzlich Reibung erzeugt, ist Stillhalten die einfachere Wahl. Trocken darfst du den Stab in keinem Fall drehen.
Welche Kochsalzlösung die richtige ist
Der Verband APP empfiehlt sterile Wundspüllösung mit 0,9 Prozent Natriumchlorid als einzigem Inhaltsstoff. Abzuraten ist von Kontaktlinsenflüssigkeit, Nasenspray und Augentropfen, da diese oft Zusätze enthalten.
Und die selbst gemischte Salzlösung? Die NHS erwähnt warmes Salzwasser, um Krusten aufzuweichen. Die APP rät vom Selbermischen ab, weil zu starke Lösungen reizen und die Mischung nicht steril ist. Im Alltag ist ein fertiges Spray genauer, praktischer und auch unterwegs einsetzbar.
Was du meiden solltest
| Mittel oder Gewohnheit | Warum nicht |
|---|---|
| Alkohol, Wasserstoffperoxid | Reizen Gewebe und trocknen aus |
| Jod, antibakterielle Seifen | Zu aggressiv für die tägliche Anwendung |
| Salben ohne ärztlichen Rat | Verkleben den Kanal |
| Benzalkoniumchlorid-haltige Mittel | Reizstoff, vom APP ausdrücklich nicht empfohlen |
| Stoffhandtuch | Kann hängen bleiben, hält Keime |
| Wattebausch | Fasern verfangen sich, die NHS rät zu Wattestäbchen oder Pads |
| Spielen mit dem Stab | Reibung, Keime von den Fingern |
| Make-up, Lotion, Sprays | Rückstände im Kanal |
Wenn deine Stelle zu trockener Haut neigt, schau auf die Seite trockene Haut an der Augenbraue. Pflegst du die Fläche um das Piercing weiter, halte einen Finger breit Abstand.
Alltag mit frischem Piercing
Haare waschen: Shampoo weg vom Piercing halten und danach mit klarem Wasser nachspülen. Reste können reizen.
Schlafen: Frischer Kissenbezug, möglichst auf der anderen Seite liegen. Der APP-Verband empfiehlt für Gesichts- und Ohrpiercings saubere Bezüge sowie regelmäßiges Waschen von Mützen und Haarbändern.
Sport: Schweiß danach abspülen. Bei Kontaktsportarten besteht Hängenbleibe-Gefahr. Vor dem Ballsport frag im Studio nach einem passenden Schutz.
Sauna und Baden: In der Heilzeit möglichst nicht. Offene Gewässer und Whirlpools meiden oder wasserdicht abkleben.
Make-up: Grundierung, Brauenprodukte und Puder nicht an die Stichkanäle bringen. Bei Augenbrauen-Gel oder -Stift bleibst du nah an den Härchen, aber weg von den Löchern.
Zupfen und Färben: Rund um die Stelle aufschieben. Färben und Waxing kommen erst, wenn alles verheilt ist. Die Chemie und die Hitze haben in einer frischen Wunde nichts zu suchen.
Schmuck: Kugeln gelegentlich mit sauberen Händen oder Papier auf festen Sitz prüfen. Ansonsten bleibt der Schmuck drin. Alles zum Tausch steht unter Schmuck wechseln.
Wie lange du pflegen musst
So lange, bis das Piercing wirklich verheilt ist, also oft mindestens 6 bis 8 Wochen, gerne länger. Wenn die Stelle reizlos ist und über Wochen keine Krusten mehr bildet, kannst du die Routine langsam herunterfahren. Einen Anhaltspunkt liefert der Heilungsverlauf. Danach reicht tägliches Waschen im Rahmen der normalen Gesichtsreinigung.
Reicht die Pflege nicht mehr?
Hol dir ärztlichen Rat bei starker Rötung, Schwellung oder Schmerzen, dickem grünem, gelbem oder grauem Ausfluss, roten Streifen, Fieber oder Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten. Mehr dazu unter entzündetes Piercing. Bitte nicht auf eigene Faust mit Salben oder Antibiotika experimentieren.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich mein Augenbrauenpiercing reinigen?
Zweimal täglich reicht meistens. Häufiger reinigen kann die Stelle austrocknen und reizen. Wenn sie nach dem Sport verschwitzt ist, spüle sie einmal extra ab.
Darf ich Teebaumöl oder Kamille benutzen?
Der Berufsverband APP rät generell von scharfen oder unnötigen Mitteln ab. Ätherische Öle können die Haut reizen und allergische Reaktionen auslösen. Bleib in der Heilzeit bei steriler Kochsalzlösung.
Muss ich Salz selbst anrühren, wenn kein Spray da ist?
Für eine Notlösung nennt die NHS warmes Salzwasser zum Aufweichen von Krusten. Für die reguläre Pflege besser ein steriles Spray kaufen, da eine selbst gemischte Lösung weder steril noch exakt dosiert ist.
Darf ich das Piercing mit Seife waschen?
Beim Duschen gelangt etwas milde Seife oft an die Stelle, das ist kein Drama. Spüle gründlich nach. Antibakterielle Seifen oder Duschgel im Kanal solltest du vermeiden.
Quellen
- Association of Professional Piercers: Aftercare
- NHS: Infected piercings