Hund Augenbrauen: Warum Hunde einen Hundeblick haben und welche Tiere Brauen zeigen
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Kurz gesagt
Hunde haben keine echten Augenbrauen wie Menschen, aber einen eigenen Muskel, der den inneren Brauenbereich anhebt. Der Hund kann so den „Hundeblick“ machen. Eine Studie um Juliane Kaminski fand diesen Muskel 2019 bei den untersuchten Hunden und nicht in gleicher Form bei Wölfen. Bei Katzen stehen über dem Auge dagegen Tasthaare, die nichts mit Brauen zu tun haben.
Wenn dein Hund dich anschaut und die Stirn in Falten legt, wirkt das wie Bitten. Das Spannende ist: Die Forschung sagt, dass genau dieser Blick wahrscheinlich mit dem Zusammenleben mit dem Menschen zu tun hat.
Haben Hunde Augenbrauen?
Im engen Sinn nein. Hunde haben keine klar abgesetzte Reihe kurzer Terminalhaare wie der Mensch. Sie haben aber zwei Dinge, die wie Brauen wirken:
- Muskulatur: Die Partie über dem Auge lässt sich gezielt bewegen.
- Fellzeichnung: Viele Rassen tragen helle Punkte oder Abzeichen über den Augen. Sie heben die Bewegung optisch hervor. Dass sie dafür entstanden sind, ist allerdings nicht belegt.
Auch Tasthaare sitzen über den Augen. Zusammengenommen erklärt das, warum wir bei Hunden so leicht einen „Ausdruck“ lesen.
Die Kaminski-Studie zum Hundeblick
Die entscheidende Arbeit erschien 2019 in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Juliane Kaminski, Bridget Waller, Rui Diogo, Adam Hartstone-Rose und Anne Burrows verglichen Anatomie und Verhalten.
| Merkmal | Hund | Wolf |
|---|---|---|
| Muskel, der die innere Braue hebt (LAOM) | In den untersuchten Hunden durchgehend vorhanden | Reduziert oder nur spärlich |
| Häufigkeit der Bewegung | Häufiger | Seltener |
| Intensität | Stärker | Geringer, stärkste Bewegungen nur beim Hund |
Der Muskel heißt levator anguli oculi medialis, kurz LAOM. Pressemeldungen nannten eine Ausnahme: Beim Sibirischen Husky soll er in dieser Studie gefehlt haben. Laut Studie veränderte die Domestikation die Gesichtsmuskulatur in „nur“ etwa 33.000 Jahren, also einer in der Evolution kurzen Zeit.
Das Team deutet das so: Der Blick lässt die Augen größer wirken und erinnert an kindliche Züge oder an einen traurigen Ausdruck beim Menschen. Das könne Fürsorge auslösen. Hunde mit solcher Mimik hätten also einen Vorteil gehabt, und der „Hundeblick“ wäre das Ergebnis menschlicher Vorlieben. Das ist eine gut begründete Hypothese, kein endgültiger Beweis für den Ablauf.
Bringt der Hundeblick wirklich Vorteile?
Eine frühere Studie deutet darauf hin. Bridget Waller und ihr Team beobachteten 2013 in PLOS ONE Hunde aus vier britischen Tierheimen. In der Auswertung, 27 Bull-Rassen-Hunde, wurden Tiere, die in zwei Minuten öfter die innere Braue hoben, schneller vermittelt.
| Bewegungen in zwei Minuten | Vorhergesagte Zeit bis zur Vermittlung |
|---|---|
| 5 | etwa 50 Tage |
| 10 | etwa 35 Tage |
| 15 | etwa 28 Tage |
Das sieht eindrucksvoll aus, ist aber mit Vorsicht zu lesen. Die Gruppe war klein und auf bestimmte Rassen begrenzt, und das Team selbst bezeichnet die Ergebnisse als explorativ. Dass die Braue allein über die Vermittlung entscheidet, zeigt die Studie nicht.
Und was haben Katzen über den Augen?
Katzen haben keine Brauen, sondern Tasthaare, die sogenannten supraorbitalen Vibrissen. Viele Säugetiere tragen sie über den Augen. Bei Tieren schützen Tasthaare das Auge über Reflexe und helfen bei der Orientierung. Sie sind also eine Art Frühwarnsystem, kein Mimik-Werkzeug wie die menschliche Braue.
Wichtig für den Alltag: Tasthaare solltest du nicht schneiden oder zupfen. Der Vergleich zu menschlichen Brauen hinkt also, und Trimmen aus optischen Gründen ist hier keine gute Idee.
In der Geschichte spielte die Katze übrigens eine überraschende Rolle: Herodot berichtet von Ägyptern, die sich beim Tod ihrer Katze die Brauen abrasierten.
Warum Menschen die Brauen so stark nutzen
Unter den Primaten fällt der Mensch mit einem glatten, beweglichen Stirnbereich auf. Der Beitrag zur Evolution der Brauen erklärt, wie Forscher um Godinho das mit Kommunikation in Verbindung bringen. Wofür Brauen im Alltag dienen, zeigt die Seite zur Funktion der Augenbraue, welche Emotionen dabei mitschwingen, Mimik und Emotionen.
Der Vergleich lohnt: Hund und Mensch nutzen unterschiedliche Anatomie für ein ähnliches Ziel, nämlich Signale im engen Zusammenleben. Dass Hunde das gerade über den Bereich tun, den wir selbst so stark lesen, ist vermutlich kein Zufall.
Für dich als Halter
- Nicht überinterpretieren: Der Hundeblick ist nicht automatisch Schuldgefühl. Dein Hund reagiert auch auf dein Verhalten.
- Nicht trimmen: Lange Haare über den Augen dürfen nur gekürzt werden, wenn sie die Sicht stören. Tasthaare bleiben dran.
- Auffälligkeiten beachten: Geschwollene oder verklebte Augen, Schiefhalten des Kopfes oder ein plötzlich hängendes Lid gehören zum Tierarzt.
Selbstversuch
Beobachte deinen Hund einmal in Ruhe: Wann hebt er die innere Stirn? Vor dem Füttern, bei Blickkontakt, bei Unsicherheit? Solche Muster verraten mehr als ein einzelner Blick.
Falls du dich fragst, ob du selbst eine Braue gezielt heben kannst: Die Übung steht bei eine Augenbraue hochziehen.
Häufige Fragen
Haben Hunde Augenbrauen?
Keine echten Brauen wie Menschen, aber einen Muskel, der den inneren Bereich über dem Auge hebt, oft zusätzlich helle Fellabzeichen. Dadurch entsteht der Eindruck von Brauen.
Haben Wölfe den Hundeblick?
Nach der Kaminski-Studie von 2019 kaum. Bei Wölfen war der entsprechende Muskel nur spärlich ausgebildet, und die intensivsten Bewegungen kamen nur bei Hunden vor.
Haben Katzen Augenbrauen?
Nein. Das, was über Katzenaugen wächst, sind Tasthaare. Sie dienen der Wahrnehmung und sollten nicht geschnitten werden.
Warum hat mein Hund helle Punkte über den Augen?
Das ist eine Fellzeichnung, die bei vielen Rassen vorkommt. Sie betont die Augenpartie. Eine gesicherte Erklärung ihres Ursprungs konnten wir nicht belegen.
Welche anderen Tiere haben Augenbrauen?
Eine klare Reihe wie beim Menschen ist sehr selten. Viele Säugetiere haben stattdessen Tasthaare über dem Auge oder Abzeichen, die wie Brauen wirken.
Quellen
- Kaminski J et al. Evolution of facial muscle anatomy in dogs. PNAS 2019;116(29):14677-14681 (PubMed)
- Waller BM et al. Paedomorphic Facial Expressions Give Dogs a Selective Advantage. PLOS ONE 2013
- Sci.News: Dogs Evolved New Muscles around Eyes
- Wikipedia: Whiskers
- Godinho RM, Spikins P, O'Higgins P. Nature Ecology & Evolution 2018